Geschichte

Die Geschichte Garchings im Wandel der Zeit

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Eine Übersicht über die wichtigsten historischen Daten von Garching

915
Ersterwähnung von Garching ("Gouvirihhinga") in Besitzurkunden des Klosters Tegernsee.
Hierin sind nach dem Stand vor 900 n. Chr. klostereigene Güter aufgelistet worden, die von Herzog Arnulf dem Bösen (reg. 907-937) aus dem Geschlecht der Luitpoldinger säkularisiert worden sind, um im letztlich erfolgreichen Kampf gegen die wiederholt in Bayern eingefallenen Ungarn mehr Macht zu haben.
Als seinerzeitiger Besitzer der Garchinger Güter wird Adalpero, Sohn des Odalrich, genannt.

 

1045
Ortschaft Garching, bisher ein Lehen der ausgestorbenen Grafen von Ebersberg, wurde nunmehr Lehen der Welfen.

 

1147/49
Erste Erwähnung eines Ministerialen (Dienstadel) des Klosters Tegernsee: Meginhard Richert de Görichingen.
1157/63 wurde die Ministerialin Dietena, 1165/70 der Ministeriale Rother genannt.
Von einigen Chronisten werden diese Personen als "Edle von Garching" bezeichnet.

 

1180
Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen durch Kaiser Barbarossa wurde Garching Herzogsgut der Wittelsbacher, was aus dem 1. Herzogsurbar (Grundbuch) von 1229/37 ersichtlich ist.

 

1229/37
Im 1. Herzogsurbar ist Garching als "Daz schergamt zu Geirchingen" aufgeführt, welches zum Offizium Landshut gehörte. Schergenämter (Gerichtsstätten) waren aus Herrschaftsrechten erwachsene Untergliederungen der Landgerichte mit polizeilichen Befugnissen. Garching unterstand dem Landgericht (Kastenamt) Kranzberg.

 

1255
Nach dem Tode von Herzog Otto II. erfolgte die Landesteilung des Herzogtums.
Das Kastenamt Kranzberg kam mit Garching zu Niederbayern unter Herzog Heinrich XIII.

 

1300 bis 1312
Das Gericht Kranzberg wurde aus finanziellen Gründen von den niederbayerischen Herzögen Otto III. und Stephan I. dem Bischof Emicho von Freising verpfändet.

 

1331
Herzog Heinrich XIV. der Ältere von Niederbayern erteilte seinen "Armen Leut" in Garching das Recht zur freien Heirat. Dieser Akt, wird als eine mögliche Wurzel der später dokumentierten Sonderrechte gewertet.

 

Ende 15. Jhdt.
Garching ist als "Hofmarch" mit Sonderrechten aufgeführt: "Artikel des allten Herkhomens des Dorfs Garching, darauf es gefreit ist". Jene zu der Zeit offensichtlich bereits traditionellen "Artikel" beinhalteten u. a.:

  • Kein Dorfangehöriger durfte für ein Gerichtsverfahren aus der Hofmark gefordert werden, es sei denn bei einem Malefizverfahren wie Mord und Totschlag. Vielmehr musste der Kastner von Kranzberg, jeweils an Georgi und Michaeli, nach Garching kommen, um Gericht zu halten.
  • Von Bußgeldern erhielt die Gemeinde die Hälfte.
  • Keine weltliche oder geistliche Grundherrschaft, sondern nur die Gemeinde selbst hatte das Recht, Bauern auf- oder abzustiften (Pachtverhältnisse zu regeln).
  • Die Gült (Pacht- und Zinsgelder, meist in Naturalien) wurde von den Bauern selbst eingebracht und an den Gerichtstagen dem Kastner übergeben.
  • Von der Leibsteuer waren alle Gemeindemitglieder befreit.
  • Die Spann- und Tragdienste, welche zwischen München und Kranzberg zu leisten waren (Scharwerk), wurden in eine Geldabgabe umgewandelt.
  • Über Zuzug, Einheirat, Grundveränderungen, Hofverkauf oder -erwerb durfte in Garching die dörfliche Selbstverwaltung allein entscheiden. Die Obrigkeit hatte keine Einwirkungsbefugnis.
  • Die Neubesetzung der Pfarrstelle durch den Prälaten von Weihenstephan war nur mit Einverständnis der Dorfgemeinde und ihrer Ortsführer möglich.

 

1504
Im Pfälzisch-Bayerischen Erbfolgekrieg wurde von den aus Landshut ausfallenden Feinden alles bis Freimann eingeäschert, sehr wahrscheinlich auch die Garchinger Anwesen.

 

1505
Wiedervereinigung von Ober- und Niederbayern unter Herzog Albrecht IV.
Das Gericht Kranzberg mit dem Schergenamt Garching kam zum Rentmeisteramt München.

1513
Herzog Wilhelm IV. bestätigte widerruflich die Garchinger Sonderrechte mit dem Recht auf freie Nutzung von Wald und Fischwasser

1623
Das "Amt aufm G’fild" Garching wurde unter Kurfürst Maximilian I. in den Landtafeln der bayerischen Landschaft zur "Kurfürstlichen Hofmark" umbenannt.

 

1618 bis 1648

Der Dreißigjährige Krieg und die Pest 1634 brachten viel Zerstörung und Tod.
Von den in der Steuerliste 1612 aufgeführten 44 Namen sind in der Steuerbeschreibung von 1671 nur mehr 5 gleich oder ähnlich geschriebene erhalten.
Viele neue Besitzer haben die Anwesen als eine "Prandstatt" erworben.

 

1689
Kurfürst Maximilian II. Emanuel ließ von Enrico Zuccalli den Schleißheimer Kanal erbauen, um die Probleme des Ziegeltransportes für den Bau des neuen Schleißheimer Schlosses zu lösen.

 

1748
Kurfürst Maximilian III. Josef bestätigte den Garchingern mit Einschränkungen die 1513 zugestandenen Rechte.

 

1752 und 1760
wurde Garching in der Güter-Konskription und in den Hofanlagebüchern als "landgerichtisches Dorf und Hauptort einer gleichnamigen Hauptmannschaft" (Garching, Dirnismaning, Hollern und Fröttmaning) aufgeführt.

 

1785
Franz Xaver Fuhrmann erhielt die am 02. April 1785 vom Fürsten Thurn und Taxis ausgestellte Bestallungsurkunde für Errichtung und Betrieb einer Poststation.

 

1792
In der Nacht zum 29. April brannte der Pfarrhof nieder.
Es wird berichtet, dass dabei sämtliche historischen Dokumente der Gemeinde verbrannt sind.

 

1799
Kurfürst Maximilian IV. Josef bestätigte unter Hinweis auf bevorstehende Reformen letztmalig die Garchinger Sonderrechte

 

1803 und 1808
Garching, Dirnismaning und Mallertshofen wurden als Steuerdistrikt dem Landgericht München zugeteilt;
damit waren alle Sonderrechte erloschen.

 

1809
Napoleon soll eine Nacht auf dem Langhauser Anwesen verbracht haben.
Nach allen verfügbaren Quellen kommt dafür nur die Nacht vom 19. zum 20. Oktober in Frage, als er von Passau über Freising nach München reiste, wo er früh um 8.45 Uhr eintraf, nachdem er in Passau die Ratifizierungsurkunden des Friedensvertrages mit Österreich ausgetauscht hatte.

 

1812
Vier Garchinger gehörten zu dem über 30.000 Mann starken Heeres-Aufgebot Bayerns für den Rußlandfeldzug Napoleons. Sie blieben vermisst.

 

1848
Als Folge der Revolution wurden die Garchinger Bauern freie Eigentümer ihrer Höfe.

 

Ab 1885
Bau eines Kanalsystems zur Feldbewässerung.

 

1910
Die Versorgung der Garchinger Häuser mit Elektrizität wurde begonnen.

 

1911
Garching erhielt eine zentrale Wasserversorgung.

 

1914 bis 1918
Im Ersten Weltkrieg verloren 16 Garchinger Kriegsteilnehmer ihr Leben.

 

1931
Auf Initiative von Josef Amon wurde die Ödlandgenossenschaft gegründet und mit der Klärschlammdüngung der Felder begonnen.

 

1939 bis 1948
Der Zweite Weltkrieg forderte an der Front und in der Heimat 91 Todesopfer aus der Garchinger Bevölkerung,
38 Soldaten blieben in der Fremde vermisst.

 

1945
In den letzten Kriegstagen im April wurden Garching und Dirnismaning von amerikanischer Artillerie beschossen und etliche Häuser schwer beschädigt.

 

1945 bis 1948
Zahlreiche Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten fanden in Garching und Hochbrück eine neue Heimat.

 

1957
Am 31. Oktober wurde in Garching der erste deutsche Atom-Forschungsreaktor, das Garchinger "Atom-Ei" in Betrieb genommen.

 

1972
Der evangelische Pfarrer Rückert gründete die Bürgerwoche, das Fest der Bürger für die Bürger.

 

1977
Die Errichtung eines neuen Ortszentrums wurde begonnen.

 

1990

Flagge zur Stadterhebung

Am 14. September 1990 wurde die Gemeinde Garching zur Stadt erhoben.


Bürgermeister Helmut Karl erhielt die Stadterhebungsurkunde aus der Hand des
damaligen Bayerischen Staatsministers des Innern Dr. Edmund Stoiber.

 

1995
Inbetriebnahme der U-Bahnstrecke von Fröttmaning nach Garching-Hochbrück (U 6) und Eröffnung des U-Bahnhofes Garching-Hochbrück am 28.10.1995

 

1997

Das Bayerische Staatsministerium des Innern hat der Stadt Garching mit Schreiben vom 23.10.1997 genehmigt, dass künftig in den Ortstafeln der Zusatz "Universitätsstadt" geführt werden darf.

Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass Garching mehrere Fakultäten der Technischen Universität München beheimatet. Mit der Verlagerung der Fakultät für Maschinenwesen - die modernste Europas - nach Garching und deren Eröffnung im Mai hat sich die Zahl der Studenten mehr als verdoppelt. 

Am 21.11.1997 beschloss der Stadtrat daraufhin, dass die Stadt Garching b. München zukünftig den Zusatz "Universitätsstadt" in ihren Ortstafeln führen soll.

 

2000
Die Stadt Garching b. München ist bei der Expo 2000 in Hannover mit 2 weltweiten Projekten aus dem Hochschul- und Forschungsgelände vertreten:

  •  In achtzig Tagen zum Mond "Europäische Mikrosatellitenmission zum Mond - LunarSat" 
  • "Forschung mit Neutronen - Nutzen für die Medizin in Diagnose und Therapie" 
  • Das Teilinstitut Greifswald des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik - ein Weltweites Projekt

Am 28. Juli 2000 wird der Betrieb im Forschungsreaktor nach fast 43 Jahren eingestellt.

 

2001
Beginn des Weiterbaus der U 6 vom Bahnhof Hochbrück über den Bahnhof Garching zum Hochschul- und Forschungszentrum am 02.04.2001.

 

2004

  • Eröffnung des Europäischen Forschungszentrum von General Electric am 30.06.2004.
  • Die neue Neutronenquelle FRM-II nimmt ihren Betrieb auf.

 

2006
Feierlicher Festakt anlässlich der Eröffnung der U-Bahnlinie U6 durch die Stadt Garching bis hin zum Hochschul- und Forschungszentrum am 14.10.2006.

Ein weiterer Meilenstein in der Garchinger Geschichte: Seit über 25 Jahren kämpft die Stadt Garching um eine Ortsumfahrung. Am 17.11.2006 wird mit dem Abschnitt von der Autobahn-Anschlussstelle Garching-Nord bis hin zur B 471 der Nordteil für eine Garchinger Ortsumfahrung freigegeben.