Tarifreform des Münchner Verkehrsverbundes seit 15. Dezember 2019 – Was ändert sich? Preisbeispiele und Landkreis-Flat

2020-01-14 08:38

Tarifreform des Münchner Verkehrsverbundes seit 15. Dezember 2019 – Was ändert sich? Preisbeispiele und Landkreis-Flat

Seit 15. Dezember letzten Jahres hat sich so einiges im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) geändert. Nach jahrelanger Diskussion hat der Verbund seine Tarifstruktur reformiert. Günstiger werden die Preise vor allem für regelmäßige Nutzer, Gelegenheitskunden zahlen dafür mehr. Das soll ein Anreiz sein, den öffentlichen Nahverkehr häufiger zu nutzen. Mit dieser Tarifreform hat der MVV im Vergleich zum ersten Reformkonzept deutlich nachgebessert. Das wurde nötig, weil drei Landkreise – darunter der Landkreis München – in ihren Kreisgremien die Zustimmung verweigert hatten. In umfangreichen Nachverhandlungen, in denen sich Erster Bürgermeister Dietmar Gruchmann und weitere Bürgermeister im Norden des Landkreises stark gemacht haben, konnten weitere Verbesserungen durchgesetzt werden. Deren Protest hat viel bewirkt. Im September 2018 kam – vor der Landtagswahl – Bewegung in die Sache: Ministerpräsident Söder regte das 365-Euro-Ticket an und sicherte dem Öffentlichen Personennahverkehr einen Zuschuss von 35 Millionen Euro zu.


Übersicht über die Änderungen seit 15.12.2019

In der Stadt München gibt es keine Tarifgrenzen mehr, für München gilt die Zone M und im Umland gelten die Zonen 1 – 6. Die Bahnhöfe „Hochbrück“ und „Garching“ liegen seit dem 15.12.2019 auf der Zonengrenze M-1/2, der Bahnhof „Forschungszentrum“ in der Zone M-2.

Für die meisten Kunden mit Monatskarten wird es billiger, zum Teil deutlich. Im Schnitt sinken die Preise um sieben Prozent. Außerdem bieten die neuen Zonen einen größeren Radius als die bisherigen Ringe. Wer bisher in der Stadt mit einer Monatskarte für die Ringe 1 und 2 unterwegs war, kann künftig für den gleichen Preis von 55,20 Euro (43,50 im Abo) die komplette M-Zone nutzen, also in ganz München fahren.

Wer aus Garching oder Hochbrück in die Münchner Innenstadt fährt, bezahlt nur die Zone M-1. Für eine Streifenkarte werden dann 3 Streifen benötigt (bisher: 4). Die Einzelfahrt verringert sich somit von bisher 5,60 Euro (für bisher 4 Streifen) auf 4,20 Euro. Eine Einzelfahrt kostet für Erwachsene mit dem Einzelticket 5 Euro, mit der Tageskarte 8,90 Euro. Eine Wochenkarte in die Innenstadt kostet 27,50 Euro, eine Monatskarte 88,90 Euro.

Für Fahrten aus dem Garchinger Forschungszentrum in die Münchner Innenstadt sind – wie bisher – bei einer Einzelfahrt mit Streifenkarte 4 Streifen abzustempeln.

 

Preisbeispiele für Fahrten von Garching bzw. Hochbrück nach München, Freising und zum Flughafen

Fahrtziel

Fahrkartenoption

bisheriger Preis

Ab 15.12.19

München/Freising

Isarcard Monat

103,70 Euro

88,90 Euro (- 14%)

München/Freising

Streifenkarte

5,60 Euro

4,20 Euro (-25%)

Flughafen

Streifenkarte

8,40 Euro

7,00 Euro (-17%)

München

Tageskarte Gruppe

16,10 Euro

16,10 Euro (+/-0%)

München

Tageskarte Single

8,90 Euro

8,90 Euro (+/-0%)

Flughafen

Einzelfahrschein

8,70 Euro

8,30 Euro (-5%)

Freising

Tageskarte

6,70 Euro

8,90 Euro (+33%)

Flughafen

Tageskarte

6,70 Euro

10,60 Euro (+58%)

 

„Landkreis-Flat“ für Jahresabo-Nutzer:

Garchinger Pendler mit Erstwohnsitz in Garching, die ab Januar 2020 ein MVV-Jahresabo (in Form von IsarCard, IsarCard 9 Uhr, IsarCard 65, IsarCard Job sowie Ausbildungstarif I+II) der Geltungsbereiche M+1 oder M+2 abgeschlossen haben und die durch die Reform schlechter gestellt werden, können frühestens im Januar 2021 einen finanziellen Ausgleich beantragen - ob im Garchinger Rathaus oder im Landratsamt, ist noch unklar. Die Differenz zum M-Ticket wird dann rückwirkend erstattet. Garchinger Pendler können also für 522 Euro im Jahr, das ist der Preis für das Isarcard Abo, nach München fahren. Die Regelung gilt zunächst für zwei Jahre. Hierfür wird der Landkreis knapp 6 Millionen Euro pro Jahr ausgeben.

Das Seniorenticket gilt künftig den ganzen Tag, es gibt also keine Sperrzeit mehr von 6 bis 9 Uhr. Die Altersgrenze wurde auf 65 Jahre angehoben, es gibt aber eine Übergangsregelung für Bestandskunden im Abo unter 65 Jahren.

Für Schüler und Auszubildende stehen die Chancen gut, bald in den Genuss einer Flatrate für den gesamten MVV-Raum zu kommen. Sollten die ausstehenden Zustimmungen der verschiedenen Gremien erfolgen, könnte es schon zu Beginn des neuen Ausbildungs- und Schuljahres im August 2020 eine „Schüler- und Jugendkarte“ zum Preis von € 365 im Jahr geben. Rund 360.000 Jugendliche (Schüler und Auszubildende) würden nur noch € 365 für alle Busse und Bahnen im gesamten MVV-Verbundbereich zahlen. Der Geltungsbereich wäre unabhängig vom Schulort auch für private Fahrten nutzbar.

Unter tarifcheck.mvv-muenchen.de stellt der MVV einen Rechner zur Verfügung, mit dem sich sämtliche Preise der seit 15.12.2019 geltenden Tarifreform nach Haltestellen genau ausrechnen lassen - je nachdem, welches Ticket man benötigt. Ansonsten ist die umfangreiche Preisliste unter mvv-muenchen.de abrufbar.

 

 



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