Mehr Sicherheit für Einsatzkräfte in gefährlichen Situationen

2019-06-28 08:06

ABC-Zug und Universität der Bundeswehr München entwickeln einen Chip, der Einsatzkräfte vor gefährlichen Stoffen warnt, und erhalten dafür eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ein Gerät, das Polizei und Rettungsdienste vor einer lebensbedrohlichen Kohlenmonoxidbelastung warnt, gibt es schon. Was aber ist mit atomaren oder anderen chemischen Stoffen, die ebenso unsichtbar und gleichsam gefährlich sind?

Auf dem Markt gibt es nicht viele Geräte, die einzelne solcher Stoffe erkennen können. Und diese sind in aller Regel groß und unhandlich, sie analysieren nur einen oder wenige Stoffe und sind extrem teuer. ABC-Züge und andere Rettungseinheiten verfügen daher nur über sehr wenige solcher Geräte, und diese bieten aufgrund ihrer Gestalt auch nur unzureichend Schutz. Der ABC-Zug München-Land, die Universität der Bundeswehr München sowie das Münchner Unternehmen Ketek GmbH, das zu den Weltmarktführern bei der Entwicklung von Strahlendetektoren gehört, wollen in den kommenden zwei Jahren innerhalb des Rahmenprogramms der Bundesregierung „Forschung für die zivile Sicherheit“ einen handlichen und zugleich kostengünstigen Chip entwickeln, der die einzelne Einsatzkraft vor unsichtbaren Gefahren wie z. B. den Austritt lebensgefährlicher Stoffe beim Brand eines Chemielabors oder bei
Gefahrguttransporten warnt.

In dem vom BMBF geförderten Projekt soll eine Plattform für einen integrierten AC-Detektor entstehen, der sowohl radioaktive Strahlung als auch eine definierte Auswahl von chemischen Gefahrstoffen nachweisen kann. Durch speziell für diesen Zweck zu entwickelnde Beschichtungen können pro Sensor eine Substanz bzw. eine Reihe chemisch verwandter Gefahrstoffe analysiert werden.
Diese Plattform soll als Grundlage für mobile Chips dienen, die u. a. an der Schutzkleidung angebracht werden und so die Einsatzkräfte ganz individuell vor drohender Gefahr warnen können.

Kleiner Chip für individuelle Sicherheit

Die Innovation besteht in einem kleinen, leichten System mit sehr niedrigem Stromverbrauch, deutlich längerer Lebensdauer und geringerer Anfälligkeit für Umwelteinflüsse. Durch die kompakte Bauweise ist das Messgerät robust und kann preiswert hergestellt werden. Damit wird sichergestellt, dass jede Einsatzkraft mit einem Messgerät ausgestattet werden kann. Perspektivisch ist
auch eine Erweiterung zum Nachweis biologischer Gefahrstoffe möglich. Der ABC-Zug München-Land und die Bundeswehr-Feuerwehr werden die Sensoren unter Realbedingungen testen.

Unterstützt werden die drei Projektpartner zudem durch die Berufsfeuerwehr der Universität der Bundeswehr München. Das Projekt wird durch das BMBF mit über 170.000 Euro gefördert. Die Projektlaufzeit ist auf zwei Jahre angesetzt. Landrat Christoph Göbel ist von der Initiative des zu einem großen Teil ehrenamtlich getragenen Projekts begeistert: „Wenn das Vorhaben gelingt, dann bedeutet das einen Zugewinn an Sicherheit für unsere Einsatzkräfte, die Tag für Tag ihr Leben in gefährlichen Situationen zum Schutz der Allgemeinheit aufs
Spiel setzen. Und nicht nur für unsere Einsatzkräfte im Landkreis ich bin mir sicher, dass solch eine Technologie schnell zum Standard für sämtliche Blaulichtorganisationen in ganz Deutschland und darüber hinaus werden würde.“ 

Zur Unterstützung des Projektteams hat das Landratsamt München eine bis März 2021 befristete Vollzeitstelle für einen wissen-schaftlichen Mitarbeiter bzw. eine wissenschaftliche Mitarbeiterin ausgeschrieben. Nähere Informationen zum ACDC-Projekt gibt es auf der Seite des BMBF zum Sicherheitsforschungsprogramm unter http://acdc.sifo.de 

 

Labor 

In den Laboren der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg wird der Chip entwickelt.

 

Labor_3

Modernste Analysegeräte für die Forschung an Sensoroberflächen beim Projektpartner Universität der Bundeswehr München.



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