Neues vom Heimatpfleger: Die Garchinger "Krautgärten“

2020-06-06 14:02

Wussten Sie, dass im „Obstgarten“ der Stadt Garching, der am Garchinger Mühlbach unterhalb des Mühlenparks liegt, früher „Krautgärten“ waren? Der Autor erinnert sich an die Sommerferien in einem kleinen Dorf in Hohenlohe, wo seine Tante abends mit ihm zu den Krautgärten am Wiesenbach ging, um zu gießen und Salat für den nächsten Tag zu holen. Der Garchinger Obstgarten ist ein Rest von Gemeindebesitz, der seit dem Mittelalter üblich war und „Allmende“ genannt wurde: Wald, Weide und Wasser gehörten dazu. Diese Flächen standen den Bewohnern zur Nutzung offen. Besonders für die „kleinen Leute“, die außer ihrem Häuschen kein eigenes Land hatten, war das wichtig.

Im 19. Jahrhundert erhielten die Bauern das Eigentum an den Flächen, die sie bewirtschafteten, mussten aber den bisherigen Grundherren Ablöse zahlen. Das zwang viele, Teilflächen zu verkaufen; diese wurden oft von den „Häuslern“ oder „Söldnern“ erworben, die dadurch eine eigene „Sach“ aufbauen konnten. Insgesamt eine gewollte und gute Entwicklung. Oft wird der Vorgang aber als „Zertrümmerung“ der Höfe bezeichnet, was der Sache nicht gerecht wird. Es gab immer noch genug Bewohner ohne eigenen Grund. Für diese wies die Gemeinde „Krautgärten“ aus als Ersatzgärten.

Ende des 19. Jahrhunderts kam das in den Städten an mit den „Schrebergärten“. Heute findet sich der Gedanke in den „Community Gardens“ etwa in New York wieder. Bei uns verpachten einzelne Bauern solche Flächen. Garching hat einen Anfang gemacht im neuen Ortspark. Es sollte mehr solche Flächen geben: ohne die strenge Organisation der „Kleingartenanlage“; offen für alle, die das Nutzungsrecht erwerben wollen.

Dr. Michael Müller

Flurplan 1809 - Krautgärten



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