Kleine gehäkelte Oktopusse mit großer Wirkung

2020-06-09 09:35

Oktopusse_Großhadern_Mai_2020

Die Initiativen „Häkeln für Frühchen“ des Familienstützpunkts in Grünwald und des Familienzentrums Unterschleißheim spenden handgemachte Kuscheltiere mit lebensrettendem Effekt an Frühgeborenen-Stationen

Weltweit werden jährlich etwa 15 Millionen Kinder zu früh geboren – in Deutschland liegt der Anteil dieser Kinder bei etwa neun Prozent aller Geburten. Frühchen haben einen schweren Start ins Leben. Viele verbringen die ersten Wochen bis Monate ihres Lebens in einem Brutkasten, sind umgeben von Maschinen und müssen künstlich ernährt werden. Weil der Greifreflex der Neugeborenen stark ausgeprägt ist, ziehen sie oft an den Schläuchen und Sonden. Dies ist für die Kinder nicht nur schmerzlich, sondern auch gefährlich. Auf Frühchenstationen helfen gehäkelte Oktopusse den Babys, sich sicher und wohl zu fühlen. Die Tentakel erinnern die Frühchen an die Nabelschnur, an die sie sich normalerweise noch im Mutterleib klammern würden. Sie vermindern so das Risiko des Festhaltens an den oft lebensnotwendigen Schläuchen, an denen sie im Brutkasten angeschlossen sind.

Das Familienzentrum Unterschleißheim startete die Initiative „Häkeln für Frühchen“ im Rahmen eines Frühchen-Treffs: Die Idee einer Frühchen-Mama, Oktopusse für Frühgeborene zu spenden, fand bei den Müttern großen Anklang. Auch beim Familienstützpunkt Grünwald kam das Herzensprojekt so gut an, dass dieser ebenfalls eine solche Initiative ins Leben gerufen hat. In mehreren Abendterminen und einiger Stunden Heimarbeit wurden viele der Tierchen gehäkelt. Dabei ist die strenge Einhaltung der Sicherheitsvorschriften für die Herstellung von großer Bedeutung, damit sich die Frühchen nicht an den Oktopussen verletzen können. Das Familienzentrum und der Familienstützpunkt haben aus diesem Grund den Häklerinnen – und einem Häkler – Pakete zusammengestellt, welche bereits die DIN-geprüfte, babyverträgliche Häkelwolle und Füllung sowie eine genaue Anleitung enthalten.

Die Oktopusse werden an den Verein "FrühStart ins Leben e.V." übergeben – diese reinigen und desinfizieren die kleinen Tierchen. Die Eltern überreichen den neuen kleinen Freund dann an ihr Frühgeborenes. Bei der aktuellsten Übergabe vor dem Klinikum Großhadern wurden 100 Exemplare Mitte Mai 2020 vom Familienzentrum Unterschleißheim gespendet; der Familienstützpunkt Grünwald überreichte zuletzt im März ebenfalls zahlreiche achtarmige Trostspender an den Verein, welche letztendlich den Frühgeborenen im Harlachinger Klinikum zugutekamen.

Oktopusse, die nicht ganz den Vorschriften entsprechen, gehen nicht verloren, sondern werden an die etwas älteren und größeren Geschwister verschenkt.

Für die extremen Frühchen werden um die 200 Oktopusse pro Jahr benötigt. Um alle Frühchen zu versorgen, besteht ein Bedarf von rund 600 Stück.

Ursprungsidee

Die Erkenntnis, dass die bunten Kopffüßler das Baby dabei unterstützen, sich zu beruhigen, stammt ursprünglich aus Dänemark. 2013 hatte eine Mutter ihrem Baby einen solchen Tintenfisch gehäkelt und in den Brutkasten gelegt. Das Baby wurde ruhiger und zog nicht mehr so oft an den Schläuchen und der Magensonde. Mittlerweile gibt es mehrere wissenschaftliche Belege zur positiven Wirkung. Schließlich sind Projekte und Aktionen von Vereinen und Freiwilligen in verschiedenen europäischen Ländern entstanden, um die Kliniken mit den kleinen Meerestierchen zu versorgen.

Interessierte können mithäkeln

Interessierte, die diese Initiative unterstützen und selbst mithäkeln möchten, können sich per E-Mail an Silvia Richter vom Familienzentrum Unterschleißheim wenden () oder an den Familienstützpunkt Grünwald unter der
E-Mail-Adresse  

 

Oktpusse_Großhadern 

Die letzte Übergabe der 100 fertigen Exemplare erfolgte im Mai 2020 an „Frühstart ins Leben e.V.“ für das Klinikum Großhadern. Bereits im Dezember 2019 wurden 25 Häkeltierchen übergeben.

Oktopusse_Harlaching

Auch im März 2020 und im Juli 2019 wurde eine Menge bunter Trostspender an den Verein „Frühstart ins Leben e.V.“ für die Frühchen im Harlachinger Klinikum überreicht.



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