Neues vom Heimatpfleger: Aus dem Staatsarchiv München, Teil 2: Vereine

2020-08-31 16:32

Das Staatsarchiv München in der Schönfeldstr. 3, früher „Staatsarchiv für Oberbayern“, bewahrt die Akten der Behörden auf der Ebene der Landkreise, früher „Landgerichte“, dann „Bezirksämter“, auf. Bei Recherchen über die Monate der Revolution 1918/19 in Garching und Umgebung wurden einige Lesefrüchte notiert.

In den Jahren nach 1860, als die Vereins- und Versammlungsfreiheit eingeführt wird, werden zahlreiche Vereine gegründet, die Aufschluss darüber geben, was die Menschen damals bewegt. Unter anderen: 1871 Bayerischer Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenverein, 1884 Historischer Verein für Oberbayern (besteht bis heute), 1893 Antisemitischer Volksverein Pasing, 1898 Christlicher Bauernverein Garching, Sterbekassenverein Garching. Im Januar 1910 gründen August Kellerer, Johann Foyse und Johann Sondermair die „Schützengesellschaft Isarlust Garching“ und errichten im April einen Schießstand. Bürgermeister Wagner schreibt im Dezember 1910 an das Bezirksamt, der Verein könne die Auflagen nicht erfüllen und löse sich auf.
1914 stellt der Sparverein Garching einen „Kinematographen“ auf, betreibt also ein Kino.

Mit der Revolution 1918/19, welche den „Freistaat Bayern“ einführt, also unsere heutige demokratische Republik, entstehen „Volkswehren“ und „Vaterländische Verbände“, welche sich gegen die Revolution wenden.
1932 erbaut der „Heimatschutz“ in Garching einen Kleinkaliber-Schießstand. Als die Gruppe im Frühjahr 1933 (von den NS-Behörden) aufgelöst wird, übernimmt die Schützengesellschaft Garching die Einrichtung. Am 11. September 1933 berichtet Kommissär Eichmeier von der Gendarmeriestation Garching an das Bezirksamt von missbräuchlicher Verwendung des Schießstandes: SA-Leute aus Garching und Freimann hätten am 27. August und am 2. September mit Infanteriegewehren M98 und scharfer Munition mit Stahlmantel geschossen; der Schießstand sei jedoch nur für Kleinkalibergewehre zugelassen.

In der Chronik Die Garchinger Vereine von 2015, S. 79-81, berichtet Rainer Brosig über die „Schützengesellschaft Eintracht“: Gegründet 1881 als „Zimmerstutzen-Schützengesellschaft“ im Gasthaus Zur Post, besteht der Verein bis heute. Der kurzzeitig bestehende Schützenverein „Isarlust“ ist beim Neuwirt, wo es 1911 einen Schützenball gibt; Schützenbälle gibt es erneut in den 1950er Jahren im Saal im Obergeschoss des Gasthofes Zur Post, wo auch der Schießstand wieder eingerichtet wird, der 1976 dann in das Untergeschoss des neuen Bürgerhauses umziehen kann. Der Kleinkaliber-Schießstand der 1930er Jahre war im Obstgarten; auch Rainer Brosig berichtet, dass dieser zweckentfremdet wurde und der Verein Mitte der 1930er Jahre aufgelöst wurde, bis zur Neugründung 1949.

Die Vereinschronik ist an der Rathauspforte für einen Unkostenbetrag zu kaufen.

Dr. Michael Müller



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