Unverzichtbare Brutplätze seltener Vogelarten im Isartal gesperrt

2021-03-31 12:05

Durch die Reiseeinschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie suchen die Menschen weiterhin verstärkt Erholung in der heimischen Natur. Selten waren so viele Spaziergänger und Sportler im Freien zu sehen wie dieser Tage. Was gesund für uns Menschen ist, bleibt nicht immer ohne Folgen für die Natur und ihre Bewohner. Vor allem störungsempfindliche Tierarten finden kaum noch Rückzugsräume, wenn auch der letzte Winkel erschlossen wird. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises München bittet alle Bürgerinnen und Bürger um Rücksichtnahme auf seltene Arten und deren Lebensräume.

Erhebliche Auswirkungen sind schon jetzt im Isartal festzustellen. Der ohnehin hohe Freizeitdruck auf den Talraum hat sich über das letzte Jahr vervielfacht. Nun locken die Osterferien und die wärmer werdenden Tage unzählige Spaziergänger und Freizeitsportler zum Sonnen und Baden auf die Kiesbänke und -inseln der Isar.

Zum Schutz kiesbrütender Vogelarten wurden deshalb wieder geeignete Brutplätze im Gelände mit Schildern und Leinen markiert und gesperrt. Sie werden in den kommenden Wochen intensiv beobachtet. Für die abgesperrten Brutbereiche besteht zwischen dem 15. März und dem 10. August 2021 ein absolutes Betretungsverbot.

Von der wilden zur gezähmten Isar

Noch bis ins 19. Jahrhundert kennzeichneten ausgedehnte Schotterflächen, die durch häufige, reißende Hochwasser ständig ihre Form, Ausdehnung und Lage änderten, die Wildflussauen der Isar und anderer (Alpen-)Flüsse. Was extrem lebensfeindlich anmutete bot trotz der ständigen Gefahr erneuter Zerstörung zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ideale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen. Vor allem kiesbrütende Vogelarten wie Flussregenpfeifer und Flussuferläufer fanden hervorragende Brutplätze in den von der vielarmigen Isar durchzogenen, vegetationsarmen breiten Auen mit ihrem grobkörnigen Substrat.

Mit der „Zähmung“ der Flüsse änderte sich das Bild der Auen dramatisch. Zwischen Hochwasserschutzdeichen blieben nur wenige Schotterflächen erhalten. Durch die verminderte Hochwasserintensität konnten nicht selten Gehölze die Flächen erobern. Die offenen Kiesbänke und -inseln gingen verloren.

Heute ist man sich des hohen Wertes naturnaher Wildflussauen für die Lebensraum- und Artenvielfalt sowie die Erholung bewusst. Bereits Ende der 1980er Jahre erfolgte an der Isar ein Umsteuern, dem Fluss wird wieder mehr Raum gegeben. Trotz aller Bemühungen sind die einst im Überfluss vorhandenen Brutplätze von Flussregenpfeifer und Flussuferläufer aber noch immer äußerst rar.

Zudem droht mit der stark zugenommenen Erholungsnutzung weitere Gefahr. Gerade einmal 150 Brutpaare des Flussuferläufers gibt es noch in Bayern. Die Flusstäler von Isar und Regen sind die wichtigsten verbliebenen Brutgebiete dieser vom Aussterben bedrohten Vogelart. Auch vom Flussregenpfeifer gibt es nur noch rund 1.000 Paare in Bayern. Seine direkt auf den Kies gelegten gefleckten Eier sind für uns Menschen nahezu unsichtbar.

Rücksichtnahme ist deshalb unverzichtbar

Die intensive Freizeitnutzung auf Kiesbänken und Kiesinseln durch Badegäste, Spaziergänger sowie das Anlanden von Bootsfahrern stellen besonders große Störungen dar. Um die Brutplätze schützen zu können, werden die Vögel daher ab Beginn der Balz intensiv beobachtet und die Brutplätze im Zeitraum vom 15. März bis 10. August 2021 mit gelben Hinweisschildern sowie Markierungsbändern gekennzeichnet.

Die Untere Naturschutzbehörde bittet die Bürgerinnen und Bürger: Betreten Sie keinesfalls die abgesperrten Kiesflächen, Sie finden entlang des Flusslaufs genügend Bereiche zum Sonnenbaden. Das Feuermachen und Grillen ist außerhalb der zugelassenen Bereiche grundsätzlich verboten.

Helfen Sie mit, diese seltenen Vogelarten im Isartal und in Bayern zu erhalten. Sie bewahren dadurch die Vielfalt unserer Heimat und schonen zugleich Ihren Geldbeutel; denn bei einer Missachtung des Betretungsverbots können empfindliche Geldbußen ausgesprochen werden.



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